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Kunstpause: Was soll ich mit dem Akkordeon?

Post aus Paris: Die Liedermacherin Barbara Thalheim schreibt, dass sie wieder allein durch das Land ihrer Träume reise und in Montargis im Loiret auf das Fahrrad von Deng Xiaoping gestoßen sei. Zunächst jedoch auf eine Skulptur, die einen Chinesen zeigt.
Wie kommt der Chinese in die hundert Kilometer südlich von Paris gelegene Kleinstadt? Die Leute, die sie auf der Straße fragt, wissen es nicht. Aufklärung gibt schließlich eine asiatische Französin: Zwischen 1902 und 1927 kamen etwa 4000 junge Chinesen nach Frankreich, Arbeiter, Studenten und Intellektuelle, darunter die späteren Spitzenpolitiker Zhou Enlai und Deng Xiaoping. Montargis gilt heute als die Wiege der Kommunistischen Partei Chinas, und ein kleines Museum zeigt Dengs alten Drahtesel als Touristenattraktion.
Und was zieht Barbara Thalheim immer wieder nach Frankreich?
Vor 26 Jahren floh sie aus ihrem Lebenslauf in die Fremde und brachte aus Paris den begnadeten Akkordeonisten Jean Pacalet ins vereinigte Deutschland mit. Gemeinsam entstand das Album „Fremdegehen – Lieder und Geschichten vom Weggehen und Wiederkommen“, die „Abnabelung“ einer in die DDR „Hineingeborenen“, wie es auf dem Cover heißt.
Wovon nabelt sich die Sängerin diesmal ab?
„Für mich entzaubert sich Frankreich gerade“, schreibt sie. „Aber stell dir vor: Am letzten Tag im Loiret klopfte es und es stand ein etwa 50-jähriger Mann mit Akkordeon vor der Tür.“
Wie sich herausstellt, hat der Fremde vor Jahren mehrere Meisterkurse bei Jean Pacalet absolviert. Nun spielt er der verdutzten Thalheim zwei Stücke von ihm vor. „Hölzern, aber viel geübt“, schreibt sie bewundernd. „Der Mann hat drei Kinder und in der Nähe eine Holzschredder-Firma, macht also Brennholz. Dann kommt er nach Hause, isst zu Abend und übt zwei, drei Stunden Akkordeon. Ich sage: Ist Ihre Frau da nicht ein wenig eifersüchtig? Er: Wieso? Sie hat mich mit meiner Passion – dem Akkordeon – geheiratet. Eifersucht? Das Wort kenne sie gar nicht, sagt er… – Ach, ich liebe solche Typen!“
Und ich liebe solche Briefe.
Ich habe Jean Pacalet mehrmals mit Barbara Thalheim im Konzert erlebt, zuletzt, kurz vor seinem Tod, in Weimar. Statt seiner langen, wilden Mähne trug er eine Wollmütze, um sein kahles Haupt zu bedecken. Doch Pacalet spielte Akkordeon wie ein junger Gott. Am 7. Juli 2011 verlor er den Kampf gegen den Krebs. Eine tieftraurige, nichtsdestotrotz schöne Geschichte, die ihren Anfang in der französischen Fremde nahm. „Die Fremde ist allgegenwärtig und irgendwie muss man sie aushalten, als Chance und Bedrohung“, schreibt Barbara Thalheim.
Ich freue mich auf ihre nächste CD.

Ostthüringer Zeitung Frank Quilitzsch / 07.05.18

 

Programm AltTag mit Barbara Thalheim im UT Connewitz gefeiert

…der rote Faden wird am Mittwoch im UT Connewitz gleich mit der ersten Ansage entrollt: „Alt will jeder werden, aber keiner will alt sein“. Ein Abend, der sich diesem verdrängten Thema in allen Facetten von erworbener Weisheit, reichen Erinnerungen, gelebten Idealen und verlorenen Träumen…widmet.

…das gut besuchte UT erlebte keine Synkope weniger als brillanten Jazz. Hochartifiziell, musikalisch überwältigend, rhythmisch komplex – dabei immer natürlich warm geerdet… überhaupt die Filme: Für dieses Programm hat Thalheim eine Anzahl ihrer Lieder von bekannten und ganz neuen Filmern in bewegte Bilder setzen lassen. Das läuft auf großer Leinwand, es unterstützt die Songs, konterkariert sie gelegentlich, schafft spannende Konstellationen…

Mit witzigem Charme, authentischer Präsenz und einer nuancenreichen, voluminösen, reifen Stimme, die jeden arglistigen Skeptiker, der nach früheren Höhen fragt, in Ehrfurcht verstummen lässt.

Lars Schmidt, 2/2016 Leipziger Volkszeitung 

…kunstvolle Melange aus Konzert und Film

..Die Liedermacherin Thalheim ist auch mit 68 künstlerisch noch längst nicht am Ende. Wieder ist sie aufgebrochen, wagt Neues, indem sie sich dem Alltag im Alter stellt. Man kann das gut zweieinhalbstündige Konzert auch als ein multimediales Live-Erlebnis bezeichnen…. Der Umgang mit dem Altern und dem Alter ist erfrischend und ermutigend zugleich, und während andere den Gedanken an Abschied und Tod verdrängen, lässt Thalheim ihren 2011 an Krebs gestorbenen Bühnenpartner Jean Pacalet wieder „auferstehen.“ Überlebensgroß musiziert der Avantgarde-Akkordeonist auf der Leinwand, während Rüdiger Krause (Gitarre), Felix-Otto Jacobi (Bass) und Topo Gioia (Percussion) ihn live begleiten…. Den Begriff Lebensabend lehnt die Sängerin als Verharmlosung vehement ab. Das sei ja gerade so, „als wäre das eine Zielgerade, auf der man passiv, heiter und gut betreut in sein Grab schlendert.“

Frank Quilitzsch, 2/2016 Thüringer Landeszeitung

Das schöne Maß des Menschlichen/ Barbara Thalheim spielt in Halle

Tabus sind Mangelware geworden in der modernen Gesellschaft – politische, ethische, sexuelle…. Nur ein einziges „No Go“, wie man neudeutsch sagt, ist geblieben… Das Alter… Thalheim hat kein Problem damit, die Dinge beim Namen zu nennen…Also auch über das Altern zu singen. „AltTag“ heißt das neue Programm mit Bildern und Filmen, die ihren Liedern nachgehen. Begleitet von großartigen Musikern…geht Thalheim dem Thema nach – manchmal sehr direkt, manchmal befreiend komisch. Nicht ohne Melacholie, aber nie selbstmitleidig. Und wenn es um Sex geht, das Tabu im Tabu, dann spricht sie eben von Sex.

Einer der intimsten Momente des Abends, der spät und mit viel Beifall endet, ist das Spiel der Band zu einer Filmaufzeichnung, die den wunderbaren, 2011 gestorbenen Akkordeonisten Jean Pacalet konzentriert und versunken bei der Arbeit des Musizierens zeigt. Eine schönere Ehrung für Barbara Thalheims langjährigen Bühnengefährten lässt sich kaum denken…

Andreas Montag, 2/2016  Mitteldeutsche Zeitung

Barbara Thalheim,  Bar jeder Vernunft  5.7.15
record-release-concert  zum Erscheinen der DVD

In ihrem neuen Programm AltTag setzt sich Barbara Thalheim mit dem Widerspruch auseinander, dass  jeder alt werden will, sich aber alle beklagen, wenn sie alt sind. Doch bei der 67jährigen war Jammern nicht angesagt. Stattdessen versprach sie, ohne Marmeladenmund alt zu werden und noch mit knackenden Knochen einen Veitstanz aufs Parkett zu legen….und … wie man sich auf den Alltag seines AltTags vorbereiten sollte….“große Leidenschaften pflegen, nicht so viel an Geld denken und etwas dafür tun, dass man sich nicht zu oft mit sich selbst beschäftigen muss“.

B.Th. hat befreundete Filmemacher und Zeichner wie Joachim Tschirner und Daniela Richter gebeten, einige Stücke des Abends bildlich umzusetzen. Diese Comic-, Foto- und Realfilme verliehen den Liedern zusätzliche Dimension. So wurde „Alte Frau im Winter“ über Alterserfahrungen einer Alleingelassenen fast ins Mythische erhoben: Die Porträtfotos von Frauen der Generationen siebzig plus (von der bekannten Fotografin Ute Mahler) zeigten jene typischen Risse, die man sofort mit alten Fresken verbindet. …

…die Besucher des Releasekonzertes… beobachten, mit welch in sich ruhender Souveränität Barbara Thalheim sang, wie zärtlich der Argentinier Topo Gioia mit seinem Schlagwerk umging, wie der Gitarrist Rüdiger Krause sogar in einem Lied aus Schuberts Winterreise den Swing entdeckte, und wie der Pole Bartek Mlejnek bewies, dass sich ein Bass nicht auf die Grundierung beschränken muss…

  Stephan Göritz, Folker 9/2015

Was von den alten Tagen bleibt
Thalheim lässt auf einer DVD ihre Lieder durch Filme…ergänzen.

„Sommer vorbei“ ist der bildgewaltig starke Auftakt zu Barbara Thalheims DVD „AltTag“. Der Titel spielt mit dem Begriff Alltag… Was geschieht mit uns, wenn der Alltag sich zu alten Tagen, Tagen des Alterns wandelt?

Zwölf Filme und Collagen von Fotografen und Filmemachern illustrieren nachdenkliche Lieder aus mehr als vier Jahrzehnten über das Leben und dessen Zurneigegehen. Barbara Thalheim hatte vor mehr als 20 Jahren ihren Rücktritt als Sängerin verkündet…vom Rücktritt war sie dann zurückgetreten. Schicksalsschläge stellten ihre späte Karriere aber immer wieder infrage. „AltTag“ nun macht erneut deutlich, was verloren gegangen wäre, hätte sie wirklich schon aufgehört, sich ins Private zurückgezogen. Sie ist und bleibt wache Beobachterin, die zu überraschen vermag…

Gerd Dehnel, Märkische Oderzeitung, Gerd Dehnel, 7/2015 

Was bleibt
Thalheims AltTag – ein Konzert zur DVD

Nicht, dass die Stücke … allesamt melancholisch wären, aber es spricht doch die Frage aus ihnen: Was bleibt?. Von mir und meinen Liedern, von meinem Leben, den Menschen, die ich liebte, von meinen Träumen, meiner Hoffnung, meiner Welt? Das Tröstliche an Barbara Thalheims Auseinandersetzung mit dem Altwerden und Altsein ist aber, dass sie an ihren Zweifeln nicht verzweifelt. Sie gibt sich ihnen nicht hin. Sie gibt sie her. ….sie zu teilen mit Freunden, Kollegen, Künstlern, auch wesentlich jüngeren…

Martin Hatzius, Neues Deutschland, 7/2015

Dreh am Rhein
Film von Godesberger Regisseur Kai von Westerman

Nackte Füße laufen über Gras und dann über Stock und Stein. Es sind zarte Kinderfüße, die sich ihren Weg auf Sand, Schotter, Pflastersteinen und Asphalt bahnen.  „Mein Herz muss barfuß gehen durch diese Welt, kein Schutz für seine Zehen wird ihm gestellt“, die Stimme Barbara Thalheims ist im Off zu hören. …das regional geübte Auge erkennt im Film das Rheintal mit dem Posttower im Hintergrund. „Ja, der Ausblick in die Ferne ist der vom Siebengebirge auf Bonn und dient als filmischer Kontrast…, antwortet der Regisseur Kai von Westerman, der als Kameramann der ARD Sachgeschichten (Sendung mit der Maus) … und durch eigene Filme bundesweit bekannt ist. Schon 1989 hatte er bei Dreharbeiten in Ostberlin … Barbara Thalheim kennengelernt. Die Filmaufnahmen für einen ihrer Songs auf der DVD AltTag entstanden auch am Rheinufer, im Marienforster Ländchen, in der Bonner Fußgängerzone, erläutert der Regisseur. „Es war schwierig hinzubekommen, dass die Passanten meiner Kamera gewissermaßen auf die Füße treten“, erläutert Kai von Westerman. Entsprechend dem Liedtext habe er für nackte Füße möglichst unangenehme Böden gesucht.

Barbara Thalheim hat auf ihrer DVD ein Experiment gewagt: ihre Songs mit dafür gedrehten Filmen zu kombinieren. Es sind 12 „verfilmte“ Lieder,  über das Älterwerden und Altsein, das letzte Lebensdrittel entstanden, das oft Lebensabend genannt werde, meint Thalheim. „So, als wäre da eine Zielgerade, auf der man passiv, heiter und gut betreut in sein Grab schlendert“…

Ebba Hagenberg-Milliu, General-Anzeiger  Bonn 7/2015

Thalheim-Programm AltTag im Theater Stralsund

…über Alter und Tod zu sinnieren…, ist für viele Menschen nur schwer erträglich. …die Berliner Sängerin Barbara Thalheim stellt sich der unumstößlichen Realität und macht daraus ein bemerkenswertes

Konzertprogramm, dass sie mit dem Titel „AltTag“ überschrieb. Mit ihrer Band gastierte sie im Stralsunder Theater und ermunterte das Publikum, lustvoll und auch ironisch mit dem Alter umzugehen.  Auch durch die eingespielten  Filmsequenzen zu ihren Songs entstanden Mutmachlieder, die der Vergänglichkeit des Lebens die Stirn bieten und einen angesichts der prognostizierten Überalterung der Gesellschaft etwas gelassener werden lassen….

Christian Rödel,  Ostseezeitung 1/2015 

AltTag

so heißt das neue Programm der Berliner Liedermacherin Barbara Thalheim, das im Berliner Filmtheater Babylon Premiere feierte. Für ihre neue Produktion hat sich Thalheim einiges vorgenommen: Allein das Thema – der demografische Wandel, die Überalterung der Gesellschaft – taugt kaum für ein Unterhaltungsprogramm. Thalheim hat sich mit 14 Filmemachern, darunter sehr viele junge Leute, für dieses multimediale Konzept zusammengetan. Sie haben zu ihren Liedern Filme gedreht …die mit eigenen Deutungen und Blickwinkeln aufwarten. Auch zwei Animationsfilme sind entstanden. Besondere Resonanz fand der Film zum Song „Alte Frau im Winter“ mit Fotos der Berliner Porträt-Fotografin Ute Mahler, realisiert  vom Berliner Filmhaus unter der Leitung des Cineasten Jochen Trauptmann. Obwohl das Thema ernst und schwer daherkommt, darf in dem fast dreistündigen Programm durchaus gelacht werden….

Burkhard Baltzer,  KUNSTUNDKULTUR, Kulturpolitische Zeitschrift von ver.di 12/2014

 

weitere Pressestimmen

„Wenn man von sich ausgeht…“ Artikel von Burkhard Baltzer in „KUNSTUNDKULTUR“, der kulturpolitischen Zeitschrift der ver.di:

„So bin ich und so war ich“ – Thüringer Zeitung zum Programm „K(r)ampf der Generationen“

Melancholiebe und Melanchozorn

Mit Endspielen, nachträglich vorläufigen Endspielen, hat Barbara Thalheim ihre Erfahrungen gemacht. Bereits 1995, das ist bald zwanzig Jahre her, bestritt die Sängerin nach überstandener Erkrankung eine Abschiedstournee. Es kam anders, dem ersten folgte ein zweites Leben. Thalheim verdankte es dem französischen Komponisten und Akkordeon-Virtuosen Jean Pacalet, der ihr musikalischer Lebenspartner wurde, eine Liebe, die man hören konnte in den gemeinsamen Arbeiten. (Arbeiten – das Wort klingt nach Plage, Mühe und Schweiß; hier aber flattert es auf in scheinbar schwerelose Lustlüfte).

2011 starb Pacalet. Wieder das Unvermögen, sich aus der Bleischwere aufzurappeln, zumal ins Scheinwerferlicht. Ein vorläufiges Unvermögen abermals, das zu überwinden es Kraft und, wichtiger, sehr guter Freunde bedurft haben muss. Barbara Thalheims neue Platte ist eine Live-CD, aufgenommen im Februar 2013 bei zwei Konzerten in Berlin. Wenige neue, viele bekannte Lieder darauf, aber allesamt ungehört auf diese Art. Das Neue liegt einerseits in Thalheims Stimme, die sich gleichzeitig reifer und unbeschwerter anhört – als hätte das Sandpapier der Lebensjahre die Stimm- und Seelenbänder genau an den passenden Stellen für Melancholiebe oder Melanchozorn geschliffen. Jung klingen kann sie noch immer, älter jetzt besser als je zuvor.

Vor allem aber geht der neue Thalheim-Klang auf die Musiker ihrer international besetzten Band zurück, die, wie die Chansonnière in ein paar Zwischensätzen kokett bemerkt, vom Alter her ihre Söhne sein könnten. Gitarrist und Bandleader Rüdiger Krause kommt vom Jazz; er beherrscht sein Handwerk so gut, dass sein Saitenspiel trotz aller Vielfalt zuweilen allzu glatt und gefällig klingt. Der meist gezupfte Kontrabass von Bartek Mlejnek weiß rhythmisch hüpfend dagegenzuklopfen, als wolle er einwenden, dass es in vielen der Lieder doch gerade ums Stolpern, ums Aufstehen und wieder ums Stolpern geht. Was, dezent im Hintergrund, der Percussionist Topa Gioia mit seinem Schlagwerk einbringt, könnte eine Kunst für sich sein, wäre es nicht so vortrefflich eingefühlt ins Ganze.

Jean Pacalet ist gegangen, und doch ist er anwesend in diesem »Zwischenspiel«, das ja im Grunde nichts anderes ist als ein Durchatmen, sich Umsehen in alle Richtungen, nach hinten, nach unten und oben, nach vorn – ein retardierendes Moment vor dem Weiterspiel und fern dem Nachspiel. Pacalet ist gegenwärtig in Liedversen wie diesen: »Ach, die Liebe die ich meine/ ist von Steinen unbeschwert./ Sie läuft an keiner Leine,/ fängt sich nicht selber ein./ Auch wenn sie noch so brennt,/ bleibt sie doch unversehrt./ Die Liebe, die ich meine/ überlebt den Totenschein.« Auf der Booklet-Seite zum Song (gestaltet von Odette Lacasa) schaut er überlebensgroß – sanfte Augen, löchriger Strohhut – als lebendiges Wandbild zwischen Fenstern durch ein Fenster. Wohin? Auf ein winziges Paar. Die Texte von Fritz-Jochen Kopka, Michael Wüstefeld, Leo Kettler und Barbara Thalheim erzählen kleine Geschichten und große Geschichte. Weil es fast immer um Liebe geht, drehen Gefühle und Gedanken sich oft um ein Ich, das Halt sucht und Halt geben will. Thalheim, die trotz anhaltender Liebeslust ihre »Mutation von einer ›Sie‹ zu einem ›Es‹« reklamiert und deren im Dezember beginnendes Bühnenprogramm schlicht »Alt« heißt, lässt gelebtes Leben nicht lediglich Revue passieren, sie spiegelt es in den Pfützen, die einmal geträumte Meere waren. Und das erstaunliche ist: Wenn sie hineinguckt, kann sie sich immer noch erkennen.

Dass nicht einfach loszuwerden ist, was einmal zu dir gehörte – von diesem Bekenntnis ist auch »Kinderland« geprägt, ein Lied über die gehassliebte, irgendwann so verflucht verflachte DDR, die doch mehr war, als offiziell von ihr übrig geblieben ist: »Bist abgebrannt/ und bleibst mir doch auf ewig eingebrannt,/ mein flaches, flaches Kinderland«.

Martin Hatzius, Neues Deutschland 29.10.2013

 

Barbara Thalheim: „Les perdants sont ceux qui souhaitaient une autre RDA.“ (RFI 2009)